Klosterwein
Das Kuratorium Weltkulturerbe Kloster Lorsch hat sich zum Ziel gesetzt, “ ...das kulturhistorische Erbe und die Bedeutung des Klosters Lorsch als einer der religiösen, politischen und kulturellen Mittelpunkte früher deutscher und europäischer Geschichte in angemessener Form zu pflegen“. (Paragraph 1 und 2 der Vereinssatzung)
Aus dieser Aufgabenstellung lasst sich ableiten, dass die Beschäftigung auch mit den profanen Dingen des Klosterlebens eine interessante Aufgabe sein kann. Das Museumszentrum bot z.B. für den 2.Sept. 2007 einen „mittelalterlichen Kochkurs“ an, bei dem man auch Wein aus einer ehemaligen Klosterlage erwerben konnte. Zum Mahl selbst wurde allerdings nur Brunnenwasser und Kräutertee ausgeschenkt.
So alt wie das ehemalige Benediktinerkloster ist auch eine Weinlage als Schenkung von Williswinda und ihrem Sohn, dem Gaugrafen Cancor, vom 12. Juli 764. In der Gründungsurkunde des Klosters heißt es: „ Die Übergabe .. (an die überaus heilige Kirche .... in dem Laurisham ) erfolgt mit allen Rechten und allem Zubehör, mit Feldern.....Wiesen und Weingärten..“ Die Schenkung betrifft das Landgut im heutigen Hahnheim. (nördlich der B 420 zwischen Nierstein und Wörrstadt) (Zitat: Lorscher Codex, Bd. I, Seite 50, Verlag Laurissa 1966)
Der Lorscher Codex verzeichnet in seinen Urkunden viele Schenkungen von Weingärten. Wein war für die mittelalterliche Grundherrschaft ein wirtschaftlich sehr bedeutendes Gut, das also auch für das als wohlhabende Kloster Lorsch quasi einen Selbstverständlichkeit. So konnten bis etwa um 1100 an etwa 170 Orten Erträge von über 923 Weingärten gesammelt werden, vermutlich waren es aber noch mehr. Da Lorsch im Bereich der Bergstraße über zusammenhängende Weingärten verfügte, die nicht alle einzeln aufgeführt sind.. Der geographische Schwerpunkt der Lorscher Weinanbaus liegt aber zunächst im Rheinhessischen und im Nordbadischen: Dienheim steht mit 86 Weingärten an der Spitze vor Handschuhsheim mit 65. Der Lorscher Weinanbau erstreckt sich sogar bis in den Breisgau. Im 14. Jahrh. Ist Heppenheim mit Sicherheit das Zentrum des Bergsträsser Weinbaus. Weithin sichtbar der Schlossberg mit der ihn krönenden Starkenburg an dessen Hängen im Mittelalter schon und heute noch Weinbau betrieben wird.
Leider haben wir aus dieser Zeit keine Belege für den Wein Anbau ins Lorsch, den man aber mit Recht vermuten kann, denn nicht ohne Grund haben wir heute noch den Flurnamen „Wingertsberg“.
Interessant ist, dass der errechnete Weinkonsum im Spätmittelalter in den Städten zumindest in den Oberschichten ungefähr 1 Liter pro Kopf pro Tag betrug! Eine beachtliche Menge, auch wenn damals der Wein nicht den Alkoholgehalt hatte, den wir heute kennen. Ob allerdings die Mönche an diesem Konsum ebenfalls Teil hatten ist nicht überliefert.
Als das Kuratorium sich 1997 auch mit der Idee beschäftige, im Museumszentrum Wein aus ehemaligen Klosterlagen als Souvenir anzubieten, fiel die erste Wahl auf Dienheim. Es wurde sowohl ein 1998er Dienheimer Rotwein, Dornfelder Kabinett trocken, als auch ein 1998er Dienheimer Riesling Kabinett trocken, beide vom Weingut F.-J. Duttenhöfer, ausgewählt. Jede Flasche wurde mit einem von Heinz Söll geschaffenen besonderen Etikett und einer entsprechenden Herkunfts-bezeichnung ausgestattet.
Die nächste Weincharge kam von der Bergstraße. Es war naheliegend, auf die geographisch näherliegende ehemalige Klosterlage Heppenheim zurückzugreifen. Schließlich gehörte ja die Gemarkung Heppenheim seit dem frühen Mittelalter zum Besitz des Klosters Lorsch.
Das Motiv für die neuen Etiketten schuf der Heppenheimer Künstler Josua Mattern in Anlehnung an die Architektur der Königshalle.
In Zusammenarbeit mit der Bergsträsser Winzergenossenschaft wird jeweils ein typischer Wein ausgewählt.
Heute bietet das Museumszentrum 2005er Heppenheimer Schlossberg Riesling an.
Der Wein wird in handlichen Tragetaschen angeboten. Ein Weinbrevier informiert über die Klosterlagen und die Geschichte des Weinbaus im Mittelalter. Zusammen entsteht so ein Souvenir bzw. schönes Weinpräsent.


