Unser aktuelles Projekt:
Seit Jahren wurde darüber diskutiert, wie die Organisationsstruktur der Welterbestätte Lorsch verbessert werden kann. In Lorsch bestehen hier folgende Probleme:
- Weltkulturdenkmal und Welterbestätte haben verschiedene Träger. Das führt dazu, dass sie nicht als organisatorische Einheit verwaltet werden. Der Besucher der Welterbestätte hingegen sieht das naturgemäß anders. Er erwartet beispielsweise, dass das Museumszentrum auf die Welterbestätte ausgerichtet sein sollte.
- Ein Gesamtplan für den Kulturkomplex „Welterbestätte, Museumszentrum“ ist praktisch nicht vorhanden. Die Zehntscheuer beispielsweise dient schon seit Jahrzehnten als Abstellraum und wird nicht für eigentliche Zwecke der Welterbestätte genutzt.
- Während die Welterbestätte zentral aus Bad Homburg verwaltet wird, ist das lokale Engagement und Sponsorentum infolge der verschiedenen Zuständigkeiten sehr begrenzt.
- Unter der unbefriedigenden Situation leidet vor allem der interessierte Bürger, der vom „Welterbe“ wenig mitbekommt. Archäologiche Ausstellungsstücke beispielsweise lagern im Keller – und werden nicht im Museumszentrum gezeigt.
Das 1998 gegründete „Kuratorium Weltkulturdenkmal“ hat bereits wenige Monate nach seiner Gründung diese Situation angeprangert. Unzählige Gespräche wurden geführt. Nun haben der Kreis Bergstraße, die Stadt Lorsch und das Kuratorium eine neue Initiative gestartet. Sogar Ministerpräsident Roland Koch nahm sich der Sache persönlich an und ordnete einen Arbeitskreis an, der „endlich für eine einheitliche Trägerschaft und ein effizientes Management vor Ort sorgen solle.“ Die Umsetzung war schwierig. Als "erster Schitt wurde jetzt ein Kooperationsabkommen in Kraft gesetzt. Hierzu gab das Ministerium für Wissenschaft und Kunst am 27.Mai 2009 folgende Presseerklärung heraus:
Welterbe Kloster Lorsch attraktiv und angemessen präsentieren“
26.05.2009 - Pressemitteilung
Land Hessen, Kreis Bergstraße, Stadt Lorsch und Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch e.V. schließen Kooperationsvereinbarung
Wiesbaden / Lorsch – Das Land Hessen, der Kreis Bergstraße, die Stadt Lorsch und das Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch e.V. haben eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, um die UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch künftig gemeinsam zu präsentieren und zu pflegen. „Das ehemalige Klostergelände mit seinen drei aus der Klosterzeit erhaltenen Baudenkmälern Torhalle, Kirchenrest und Klostermauer, die Bodendenkmäler und die übrigen Baudenkmäler des Areals sowie das Museumszentrum sollen dem Welterbe-Status entsprechend attraktiv und angemessen vermittelt werden“, sagte der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Gerd Krämer, bei der Unterzeichnung der Abmachung heute in Lorsch. Die Partner der Vereinbarung bilden dazu einen Lenkungsausschuss unter Vorsitz des Landes.
„Hessens erste UNESCO-Welterbestätte, das Kloster Lorsch, mit seiner zentralen Bedeutung im Mittelalter für weite Teile Europas, ist ein Magnet, nicht nur für Kulturbeflissene. Ein Pfund für die Region im Bereich Tourismus, mit dem sich wuchern lässt. Durch die neue Kooperation wird die UNESCO-Welterbestätte nun die nötige Aufmerksamkeit erfahren und noch mehr Touristen in die Region locken“, ist der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes überzeugt.
Bürgermeister Klaus Jäger freut sich, dass nunmehr ein weiterer wichtiger Schritt hinsichtlich Präsentation und Betrieb des Klosters sowie des Museumszentrums getan wurde. Dieser Schritt sei auch wichtig für eine spätere einheitliche Rechtsform, in der das Weltkulturerbe und das Museumszentrum zusammengeführt werden können.
Der Kuratoriums-Vorsitzende Ernst-Ludwig Drayß begrüßte die Kooperation als Schritt zu einer einheitlichen Trägerschaft. „Weltkulturdenkmal, angrenzende Liegenschaften und Museumszentrum stellen praktisch ein ,Kulturunternehmen’ dar und müssen auch so gemanagt werden“, meinte Drayß.
Das Klosterareal soll der Vereinbarung zufolge so umgestaltet werden, dass das Gelände wieder in der Dimension der Klosterzeit erfahrbar ist. Dazu gehört kurzfristig die Beseitigung störender Vegetation und jüngerer Mauern und Zäune ebenso wie eine Vereinheitlichung des Bodenbelags und eine durchgängige, einheitliche Beschilderung. Die Abteilung Klostergeschichte im Museumszentrum soll ausgebaut werden. In der Zehntscheune ist die Einrichtung eines Schaulagers für archäologische Funde geplant. Das Kurfürstliche Haus soll für die Bürger von Lorsch geöffnet werden.
Mittelfristig soll unter anderem der an die Lorscher Altstadt angrenzende Torbereich wieder erlebbar werden, indem das Bodenniveau auf die Sockelhöhe der Torhalle angehoben wird. Geplant ist außerdem auch, die 1153 Städte und Gemeinden zwischen Nordsee und Oberitalien zu vernetzen, deren schriftliche Ersterwähnung auf Urkunden des Klosters Lorsch beruht.
Prüfen will man darüber hinaus die Gründung einer Zuwendungsstiftung für die UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch.
Das Land bringt die bisher von ihm bereitgestellten finanziellen und personellen Ressourcen in das Projekt ein und schafft – vorbehaltlich des Haushalts – eine Archäologenstelle für das Projekt. Auch die Stadt Lorsch bringt ihre bisherigen Ressourcen in das Projekt ein und prüft die planerischen und städtebaulichen Möglichkeiten für die Neugestaltung der Eingangszone des Welterbes. Der Landkreis Bergstraße beteiligt sich mit seinem Know-how und anteiliger Arbeitszeit seines Touristikmanagements. Das Kuratorium bündelt das bürgerschaftliche Engagement am Ort und berät die Vertragspartner bei ihren Aufgaben.
Die Kooperationsvereinbarung ist unbefristet und tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.
Unverändert vertritt das Kuratorium auch nach dem Kooperationsabkommen folgende Standpunkte:
1. Die UNESCO-Welterbestätte „Kloster Lorsch“ gehört der Welt, d.h. uns allen – nicht einer Institution oder der Stadt.
2. Der gesamte Komplex „Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch, Museumszentrum, Paul-Schnitzer-Saal, Adalher-Haus“ etc. ist als Einheit zu sehen.
3. Die Welterbestätte muss „gelebt“ werden durch die Motivation vor allem der Bürger. Es ist auch Pflicht der Verwaltung der Welterbestätte, das Welterbe mit den Bürgern „zu gestalten“, es den Bürgern nahe zu bringen durch eine lebendige Verwaltung, Veranstaltungen (z.B. im Paul Schnitzer-Saal), durch einen direkten Bezug zum Museumszentrum, durch Ausstellungen etc. Kultur ist auch ein harter Standortfaktor!
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4. Die Welterbestätte ist deswegen zu führen wie ein „Kultur-Unternehmen“, mit einem effizienten Management vor Ort, einem Haushaltsplan, Entscheidungsbefugnissen etc. Die unzweifelhaft vorhandene lokale Motivation (Kreis, Stadt, Bürger) ist als wichtigster Faktor zu berücksichtigen.
5. Die Einbringung in eine Stiftung (ähnlich der „Wartburg Stiftung“) mit dem Land, dem Kreis, der Stadt und dem Kuratorium (den Bürgern) als Stifter (wobei das Land bzw. die Schlösserverwaltung und die Stadt maßgebend sind) ist unserer Meinung nach mit Abstand das beste Modell, um die oben angeführten Ziele zu erreichen.
