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Rechenschaftsbericht des 1. Vorsitzenden Ernst-Ludwig Drayss zur Mitgliederversammlung im Juni 2010

Der gemeinnützige Förderverein "Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch e.V." freut sich über die anstehenden Investitionsmaßnahmen für das Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch. "Investitionen in Bildung und Kultur sind notwendige Investitionen zur Stärkung unserer Gesellschaft und unseres Sozialwesens", meinte Vorsitzender Ernst-Ludwig Drayß in seinem Rechenschaftsbericht bei der Mitgliederversammlung des Vereines. Das Kuratorium ist ein überregionalere Förderverein, dessen aktueller Vorstand sich zu je einem Drittel aus Lorscher, Heppenheimer und Bensheimer Bürgerinnen und Bürger zusammensetzt. Das Kuratorium verstehe  sehr wohl Bedenken in der Bevölkerung angesichts leerer öffentlicher Kassen. Ein Aufwiegen der Investitionen in ein Weltkulturdenkmal mit beispielsweise Subventionen in das Sozialsystem wäre allerdings nicht angebracht. Vielmehr beziehen sich die Bedenken des Kuratoriums auf die nachhaltige Nutzung der Investitionen. Man dürfe nicht vergessen dass die Maßnahmen im Rahmen des Konjunkturförderungsprogrammes 2009 sehr schnell angemeldet und entsprechend schnell formuliert werden mussten,  kaum breit diskutiert werden konnten  - und man eigentlich nicht damit rechnen konnte, dass alles genehmigt würde. Zudem hieße es unverständlicherweise immer wieder "alles oder nichts", was nicht gerade förderlich wäre. Verständlicherweise spielten Fragen wie  "Folgekosten" und "effiziente Managementstruktur" zunächst keine Rolle. Diese Fragen seien jedoch, wie die Erfahrung zeige, entscheidend für die nachhaltige und effiziente Nutzung und Präsentation der Welterbestätte.

Eindrücklich weist das Kuratorium darauf hin, dass seit der Gründung des Vereines im Jahre 1998 gemeinsam mit der Stadt Lorsch und mit dem Kreis Bergstraße eine übergreifende Trägerstruktur für die Welterbestätte Lorsch angemahnt wurde, aus guten Gründen - bisher ohne Erfolg. Anstelle einer ursprünglich angedachten und sogar vom Ministerpräsidenten Roland Koch vorgeschlagenen Betreibergesellschaft trat in 2009 als Kompromiss ein Kooperationsabkommen zwischen Land, Stadt, Kreis und Kuratorium. Ein "Lenkungsausschuss" solle die Weiterentwicklung und die Präsentation steuern. Bisher, so das Kuratorium, ist diese Absichtserklärung vom Mai 2009 allerdings eher Theorie. Trotz der jetzt anstehenden Investitionen bleiben die letztlich entscheidende Punkte einer effizienten übergreifenden Verwaltungsstruktur für die Lorscher Welterbestätte insgesamt und die Frage der Finanzierung der Folgekosten noch ungeklärt. Hier sei insbesondere das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst in der Verantwortung, eine nachhaltige Lösung  unter Einbindung der Stadt, des Kreises und der Bürger (Kuratorium und Heimat- und Verkehrsverein) zu finden.

Virtualisierung der Klosterbibliothek als neuer Förderschwerpunkt

Das Kuratorium hat aktuell drei Förderschwerpunkte. Im Vordergrund steht nach wie vor die zwischenzeitlich bundesweit ausgezeichnete und beachtete Museumspädagogik. Daneben wird die digitale Rekonstruktion der ehemaligen Lorscher Klosterbibliothek, einer der bedeutendsten Bibliotheken des Mittelalters, als Kooperationsprojekt zwischen der Universität Heidelberg und dem Land Hessen, zukünftig wohl zu einem bedeutenden Förderprojekt werden. Allerdings stehe hier der angeforderte Kosten- und Zeitplan noch aus. Und schließlich wird die nach wie vor einmalige Partnerschaft mit anderen Weltkulturdenkmälern in Armenien (Kloster Geghard), Korea (Kloster Haein-sa) und der Schweiz (Kloster Müstair) besonders gefördert. In diesem Zusammenhang habe das Kuratorium gerade mit der "Organisation für Kulturerbe, Kunsthandwerk und Tourismus" in Iran eine Vereinbarung über die Ausstellung "Sevrugian" in Teheran im Dezember und Januar 2010/11 in Teheran erzielt.

Besonders freue man sich über das von Pfarrer Renatus Keller initiierte Projekt „Iona meets Lorsch“, das.wieder Leben in das Kloster und die Restkirche bringe. Angedacht ist, im Kirchenrest Andachten im Stile der schottischen Tradition ("Iona") zu feiern. Als Starttermin wurde Pfingsten genannt. "Jazz am Kloster" wurde vom 1. Mai auf den am ersten Juni-Sonntag stattfindenden "Welterbetag" (6. Juni) verlegt, auch um angesichts der geplanten Sportveranstaltung "Lorsch Biathlon" mehr Menschen anzusprechen. Unglücklicherweise wurde die Sportveranstaltung dann nach Bürstadt verlegt.      

In diesem Zusammenhang erwähnte Drayß auch das vor vielen Jahren in Zusammenarbeit mit Prof. Manfred Koob  von der TU Darmstadt diskutierte Projekt "Architectura Virtualis", also ein Zentrum für die Forschung und Präsentation digitaler Aufbereitungen von vergangenen Weltkulturdenkmälern. Diese Außenstelle der TU Darmstadt war einmal für Lorsch angedacht. Die Gespräche damals verliefen aufgrund zersplitterter Zuständigkeiten ergebnislos. Warum das Thema nicht wieder aufgreifen und in die Investitionen einbinden, zumal nach wie vor Interesse seitens Prof. Koob von der TU Darmstadt bestehe und jetzt Stadt und Land zumindest an einem Tisch sitzen ? Für die Bevölkerung und für Besucher Lorschs wäre das sicherlich ein "Knüller", ist Drayß überzeugt. Das Kuratorium jedenfalls würde darin ein sehr willkommenes Projekt im Rahmen der Weiterentwicklung der Welterbestätte sehen.

Stiftung UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Parallel zu dem seit 1998 bestehenden Förderverein soll in 2010 die lang geplante "Stiftung UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch" aus der Taufe gehoben werden. Nachdem die öffentlichen Stellen infolge der leeren Kassen als Stifter nicht mehr in Frage kämen, wolle man die Stiftung auf rein private Beine stellen, kündigte Drayß an. Dies wäre auch ein deutliches Zeichen, dass man die öffentliche Hand in der Verantwortung für unser Weltkulturdenkmal nicht allein lassen wolle. Die Stiftung solle übergreifend eine Plattform für die Welterbestätte darstellen und sich in ihren Fördermaßnahmen insbesondere auf die Präsentation konzentrieren. Namhafte Stifter aus der regionalen Wirtschaft würden vertreten sein, aber auch Privatpersonen oder Familien wären eingeladen, sich so als Stifter zu "verewigen".

Reibungslos verlief das Procedere der Mitgliederversammlung. Der Kassenstand sei sehr zufriedenstellend, wußte Schatzmeister Adam Heuß zu berichten. Bei den anschließenden Vorstandswahlen trat er zu Gunsten seines Sohnes Michael nicht mehr an. Dieser wurde als neuer Schatzmeister gewählt, sein Vater Adam trat in den Beirat ein. Weiter wurde Bruno Eichhorn als zweiter Vorsitzender wiederum für zwei Jahre gewählt. Das von Ernst-Ludwig Drayß bekleidete Amt des 1. Vorsitzenden und das Amt des Schriftführers - Markus Geißelmann - standen nicht zur Wahl an. Als Beisitzer wurden bestätigt bzw. wiedergewählt:
Lucia Frank,  Josua Mattern, Dr. Norbert Bräuer, Anton Würsching,  Frieder Galura, Dieter Reinhardt, Richard Schneider und Adam Heuß. Kassenprüfer sind Anne Metz und Andrea Bierbaum.

 

 



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