Mit der Wetterstation...

10.09.2017

...das Mikroklima erforschen.

 

„Reste von Wölbäckern findet man heute noch in vielen Wäldern“, berichtete Claus Kropp bei einer Sonderführung durch Lauresham „und sie sind keineswegs auf unseren Kulturraum beschränkt.“ Zusammen mit dem Biologen Jens Schabacker startete der umtriebige Leiter des Freilichtlabors vor wenigen Wochen ein weiteres Forschungsprojekt, um herauszufinden, warum die Menschen im Frühmittelalter diese besondere Form von Ackerflächen wählten.

Begonnen hat das archäologische Experiment bereits vor drei Jahren. Seitdem wurden die in Lauresham neu angelegten Wölbäcker vom Unkraut des 21. Jahrhunderts befreit, mit rekonstruierten Pflügen und Eggen unter Einsatz der Ochsen Darius und David bearbeitet und Getreide nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft ausgesät. Mittlerweile geht man davon aus, dass auch unsere Vorfahren die charakteristische Formung der Äcker durch Aufschüttung künstlich anlegten und durch entsprechendes Pflügen beibehielten. Unbeantwortet ist hingegen die Frage, welche Auswirkung die Ackerform auf das Wachstum der Pflanzen hatte und damit auf den Ernteertrag und die Ernährungslage der Menschen. Unterstützung bei der Bearbeitung dieser Fragestellung erhalten die Wissenschaftler fortan durch eine neu erworbene Wetterstation, die akribisch Regenmengen, Temperaturverlauf, Sonneneinstrahlung und Windverhältnisse misst und diese Daten mit den Bodenverhältnissen und dem Pflanzenwachstum korreliert.  Erste Messreihen scheinen die Ausgangsthese, dass die Wölbform für eine bessere Drainage des Bodens sorgte, zu bestätigen, doch belastbare Erkenntnisse kann es erst in einigen Jahren geben, zu unterschiedlich sind die wetterbedingten Jahresverläufe.  „Geduld muss man bei diesem Projekt mitbringen“, betonte Jens Schabacker.

Parallel zum agrarwirtschaftlichen Forschungsprojekt wird die Wetterstation auch zur Erforschung des Mikroklimas in den Innenräumen der Häuser eingesetzt. Wie veränderten sich die Temperaturen im Verlaufe des Tages? Welchen Einfluss nahm die Bauweise der Häuser? Wie unterschieden sich Außen- und Innentemperatur im Wechsel der Jahreszeiten? An welcher Stelle wurden welche Lebensmittel aufbewahrt und wie musste die Feuerstelle angelegt und betrieben werden, um der Kälte zu trotzen und nicht an Rauchvergiftung zu sterben? So lauten nur einige Fragen, denen sich die Forscher nun intensiv widmen. Die Wissenschaftler haben dabei nicht nur die historische Dimension im Auge – über die Detailauswertung verspricht man sich auch Erkenntnisse für unsere heutige Lebensweise.  Denn nachhaltiges Wirtschaften war ein überlebenswichtiges Credo unserer Vorfahren, war essentiell für jede einzelne Familie und nicht nur eine Größe mit globalem Blick.

Das Kuratorium UNESCO Welterbe Kloster Lorsch freut sich sehr, dieses spannende Projekt durch die Anschaffung der Wetterstation unterstützen zu können. „Als Verein engagierter Bürgerinnen und Bürger liegt uns die Vermittlung und Erforschung des Kloster Lorsch und des Alltagslebens der Menschen im Frühmittelalter am Herzen“, unterstrich Vorsitzende Dorothea Redeker.  Mit der Wetterstation gelingt es einmal mehr, Technik des 21. Jahrhunderts und experimentelle Archäologie zu vereinen und auch die Öffentlichkeit an wissenschaftlicher Arbeit teilhaben zu lassen.  

 

 

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