Rückblick auf die Sonderführung durch die Zehntscheune

04.11.2015

"Das Kloster war mehr als ein Copy-Shop"

Despektierliche Zeitgenossen bezeichneten das Kloster Lorsch schon einmal als Kopistenanstalt – hier seien zwar antike Schriften durch Abschriften vor ihrem Verlust bewahrt worden, aber die Mönche hätten keine eigene Leistung vollbracht, keine Texte geschaffen. Bei einer Sonderführung durch die neu eröffnete Zehntscheune auf dem Klostergelände konnten sich die Mitglieder des Kuratoriums vergewissern, daß diese Einschätzung wohl nicht ganz richtig war. Dr. Hermann Schefers, Leiter der Welterbestätte führte die rund dreißig Förderinnen und Förderer des Welterbes zu einem außergewöhnlichen Epitaph, in dem kunstvoll erdachte und eingravierte Verse auf den hohen geistigen Stand im Kloster verweisen.

Das Steinfragment gehört zur eindrucksvollen Sammlung von Bauskulptur aus dem Mittelalter, die im Laufe der zahllosen Ausgrabungen auf dem Klostergelände zutage kamen und nun im Schaudepot der Zehntscheune ihre Heimat gefunden haben.Nur ein Bruchteil der Funde ist in den drei unteren Räumen der Zehntscheune sichtbar, doch die präsentierte Auswahl öffnet den Blick auf das Wesentliche, auf Stile, Vorlieben und Entwicklungen von der Zeit der Karolinger, über die Romanik bis zur frühen Gotik.

Einen besonderen Reiz erhielt die Führung durch Lichteffekte, die Dr. Schefers geschickt in seine Erläuterungen einbaute. Aus der Dunkelheit des Raumes lenkte er die Augen des Besuchers auf ein einzelnes Objekt. Ohne jede Ablenkung ließen sich so die Einzelheiten von Kapitellen, Basen und Säulen erkennen und einordnen. Im Vergleich wurden die Unterschiede zwischen den einzelnen Zeitepochen sichtbar und nachvollziehbar.

Eine lohnenswerte, hochinteressante Ausstellung befanden die Besucher am Ende des Rundgangs. Bei einem abschließenden Glas Wein spann der eine oder andere die gehörten Geschichten fort. Die nächste Führung ist bereits in Planung – dann stehen die zahllos aufgefundenen Keramikfliesen im Mittelpunkt, die als Bodenbelang oder zur Dekoration von Wänden und Öfen verwendet wurden.

 

Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015 
Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015
Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015 
Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015
Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015 
Sonderführung, Foto: © Joachim Steinbiß 2015
 

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