Die Wiedereröffnung des Welterbeareals

19.07.2014

Gut behütet und beschirmt spazierten mehr als fünfhundert Besucher in Begleitung von zwölf Erzählern anläßlich der Wiedereröffnung des UNESCO Weltkulturerbes Kloster Lorsch vom Ursprungskloster des Welterbes an der Weschnitz zum späteren Standort auf dem Klosterhügel. Von beiden Gebäudekomplexen ist nicht viel erhalten geblieben, doch nun deuten Vertiefungen bzw. Erhöhungen im grasigen Boden die Umrisse der Bauten an und geben einen Eindruck über Aufbau und Ausmaße der Anlagen.

Auf dem Weg nach Altenmünster
Auf dem Weg nach Altenmünster

Auf dem gut ein Kilometer langen Weg, der beide Welterbestätten verbindet, Kulturachse genannt, erfuhren die Besucher aus Nah und Fern auch Näheres zur Siedlungs- und Kulturgeschichte der Region. Noch bis in die 1960-er Jahre lebte Lorsch vom Tabakanbau - Tabakfelder prägten das Bild in der Riedlandschaft; der letzte Betrieb schloß erst vor wenigen Jahren. Heute blickt man wieder auf ein wunderbar blühendes Tabakfeld. Rund 30 engagierte Bürgerinnen und Bürger ließen im letzten Jahr auf Initiative der Stadt den Tabakanbau neu aufleben, kümmern sich um die Pflanzen und deren Weiterverarbeitung zu wohlschmeckenden Zigarren mit Namen Lorsa Brasil. Ein Stück lebendiger Erinnerungskultur, jenseits von Baudenkmälern und traditionellen Kulturgütern.

Ein Stück weiter des Weges öffnet sich der Blick auf die imposante, noch vollständig erhaltene Klostermauer. Sie wurde in den letzten Jahren freigelegt und aufwendig restauriert. Vor der Mauer liegt das Entree des Klosters, der Karolingerplatz, den die Gruppen diesmal Richtung Südtor überquerten.

Das Klosterareal präsentiert sich nunmehr als wellige Rasenlandschaft, durchsetzt mit ausgewähltem, altem Baumbestand. Auf dem höchsten Punkt thront das noch eingerüstete Kirchenfragment aus nachkarolingischer Zeit. Dahinter, ein wenig tiefer gelegen, erhebt sich die berühmte Königshalle.

Dort wo einst die Klausur gestanden haben könnte oder die mächtige Basilika schreitet man nun entlang von leichten Schrägen im tiefen Grün des wunderbar angelegten Rasens. Und man kann sich gut vorstellen, welch mächtigen Eindruck die im Jahr 774 fertiggestellte Kirche bei den fränkischen Zeitgenossen hinterlassen haben muß.

Heute schaut man von der Anhöhe des ehemaligen Klosters in die Weite der Riedlandschaft, erahnt das Ursprungskloster Altenmünster hinter der Tabakscheune und erblickt an den Hängen des Odenwalds die 1065 errichtete Starkenburg, die Verteidigungsburg des reichen und begehrten Klosters.

Im Norden liegt die evangelische Kirche, auf ehemaligem Klostergelände. Man erkennt kaum, daß Klosterhügel und Gelände der evangelischen Kirche durch einen tiefen Einschnitt durchtrennt sind. Die Nibelungenstraße, die die Klosterdüne seit 1840 durchschneidet, wurde zurückgebaut, ist heute wieder Teil des Klostergeländes.

Bis zur Dämmerung genossen viele Gäste den grandiosen Blick vom Klosterhügel und lauschten den Klängen der Musik auf der Festwiese. Zum Höhepunkt des Abends tauchten Künstler den Klosterhügel in ein Meer von Kerzen – ein Anblick, den wohl niemand so schnell vergessen wird.

Musik an der Klostermauer
 

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